Geschichten bestimmen unser tägliches Leben. Schon Kinder erzählen gern. Denn Erzählen ist ein Grundbedürfnis. Wer weiß das besser als Sybilla Pütz, pädagogisch ausgebildete Erzählerin und Gründerin der Erzählbühne in Hannover, Braunschweig und Münster. Mit Hingabe zieht Sybilla große wie kleine Zuhörer*innen in den Bann, weckt deren Fantasie und bringt auch sie zum Erzählen.

Erzählt hat Sybilla schon immer gern. Geboren wurde sie in Addis-Abeba in Äthiopien. Die Eltern – eine österreichische Mutter und ein deutscher Vater – waren dort in der Entwicklungshilfe tätig, zogen jedoch 1961 wegen des Bürgerkriegs mit ihren vier Töchtern zunächst nach Österreich, dann nach Münster-Mecklenbeck. Von der Mutter liebevoll „Radio Mecklenbeck“ genannt, sprudelten die Worte förmlich aus Sybilla heraus. Ihre Mutter war es auch, die Sybilla beim Kochen inspirierte: „Durch unsere verschiedenen Wohnorte genoss ich als Kind sowohl die feurigen Gerichte Äthiopiens, die süßen Mehlspeisen Österreichs, aber auch die Klassiker wie den Rheinischen Sauerbraten.“ Jedes Sonntagsmahl war eine kulinarische Reise.

Eine Bühne voll Leidenschaft

Mit 48 Jahren führte ihre Reise dann nach Hannover. Grund: die Liebe. Zuvor hatte sich die einstige Marketingleiterin nach einem Sabbatical zum Ausstieg entschieden. „Ich habe mich gefragt: Wie kann ich mit meiner Begabung und Lust zur Kommunikation auch andere Menschen mit meinen Geschichten erreichen und anstecken?“ beschreibt die heute 61-Jährige. Als Quereinsteigerin absolvierte sie ein Studium zum künstlerischen und pädagogischen Erzählen an der Universität der Künste in Berlin. 2015 gründete sie im hiesigen Leibniz Theater ihre erste „Offene Erzählbühne“. Die Besonderheit besteht darin, dass dort nicht nur Profis, sondern auch erzählfreudige Laien aus dem Publikum zu Wort kommen. (Termine und Programm unter www.erzaehllust.de) „Das mündliche Erzählen ist die kleinste Form des Theaters. Es verbindet Menschen, vermittelt Werte und fördert Sprache.“

In einem privaten Kindergarten, dem Kinderladen Edenstraße in der List, verbindet Sybilla die aus ihrer Sicht wichtigen Kulturgüter Essen und Sprache sogar miteinander: „Beim pädagogischen Kochen gehe ich gemeinsam mit den Drei- bis Sechsjährigen einkaufen, integriere sie bei den Vorbereitungen und koche mit ihnen“, berichtet sie. Dabei sollen die Kinder selbst die Initiative ergreifen, denn Sprache erlernen sie auch über das Tun. „Mir geht immer das Herz auf, wie kreativ und ideenreich sich die Fantasie der Kinder entfaltet, wenn sie meinen Geschichten lauschen und sie sie auf ihre Weise dann selbst erzählen“, schwärmt Sybilla. „Gerald Hüther, ein bedeutender Neurobiologe, meint: Geschichtenstunden sind wie Doping für das kindliche Gehirn. Ich sage immer: Es ist das Superfood“, erzählt sie begeistert.

Erzähl mir deine Geschichte

Und selbst in ihrer Freizeit ist Sybilla erzählend unterwegs. An ihrem Wohnort in Bothfeld schnappt sie sich gern den Nachbarshund und wandert über die weiten Felder – von ihr auch liebevoll „das Münsterland“ genannt. Bei diesen Spaziergängen spricht sie hin und wieder fremde Menschen mit der Frage an, ob sie ihnen eine Geschichte erzählen dürfe. Danach, so schwärmt sie, eröffne ihr so mancher auch seine ganz eigene Geschichte…

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