Als Handballspielerin zog es Sandra Sinner damals von Braunschweig nach Hannover in die 1. Bundesliga. Hauptberuflich arbeitete sie als Versicherungskauffrau – bis ihr Job wegrationalisiert wurde. Glück im Unglück. Das gab ihr den nötigen Kick, um sich komplett neu zu erfinden und selbstständig zu machen. Als was? Kleiner Tipp: Ihre heutigen Bestseller sind Teile aus Musselin oder Waffelpique. Stellt sich die Frage: Ist Sandra A) Reiseleiterin B) Konditorin oder C) Schneiderin? Lest selbst …


Es ist 2016 als Sandras Arbeitgeber ihr ein Angebot unterbreitet. Damals ist ihre Sportkarriere in der Handball-Bundesliga bereits ein paar Jahre vorbei. Sie ist inzwischen verheiratet, Mutter von Zwillingen im schulpflichtigen Alter und hat sich mit ihrem Mann ein Eigenheim in Limmer gekauft. Abfindung und ein Jahr freigestellt oder sicherer Arbeitsplatz in der Versicherungsbranche – allerdings in Hamburg? „Ich bin in Hannover geblieben und hab mich auf das Angebot eingelassen“, sagt sie. „Und es war das geilste Jahr, das ich bisher hatte.“

Nach 20 Jahren als Versicherungskauffrau begibt sich die damals 43-Jährige nochmal auf ganz neues Terrain und meldete ein Gewerbe an: als Schneiderin. „Wenn man mir vor ein paar Jahren gesagt hätte, dass ich mal eine Nähmaus werde, dem hätte ich einen Vogel gezeigt“, blickt sie zurück. „Aber ich habe einfach Spaß.“

Von der Nähmaus zum Schneiderlein

Entdeckt hatte sie ihre Leidenschaft nach der Geburt ihrer Kinder. Immer wieder versuchte sie sich an kleinen Projekten. Hier einen Schal. Da eine Pump-Hose. Alles Learning by Doing und jede Menge YouTube-Tutorials. „Irgendwann hatte ich mal zu viel Stoff und habe für Bekannte oder Freunde etwas genäht. Das kam gut an“, freut sich Sandra. „Warum also nicht den Schritt in die Selbstständigkeit wagen. Ich wollte es ein Jahr ausprobieren.“

Mit einer in die Jahre gekommenen Tchibo-Nähmaschine, viel Stoff und Garn fing das Abenteuer “Limmerei” also an. Ihre kleine Kollektion präsentierte sie vorwiegend auf Märkten – und schlug hier kräftig ein. Das Erfolgsrezept? „Ein nach Farben sortierter Stand“, schmunzelt sie. „Am Ende überzeugen sicher die ausgewählten Bio-Produkte und die Qualität zu bezahlbaren Preisen.“

Der Plan geht auf

Und wo steht Sandra heute? „Ich war nicht davon überzeugt mich komplett selbstständig zu machen“, sagt die heute 47-Jährige. „Aber als zweites Standbein finde ich das Schneidern super.“ Im Moment ist sie noch auf Kinderkleidung fokussiert. Aber das soll sich bald ändern: Gern würde sie mehr für Erwachsene nähen. Da bietet sie derzeit hauptsächlich große Tücher aus Musselin oder Waffelpiquet an – Stoffarten, die voll im Trend sind. Rund 20 Stammkunden hat sie inzwischen und bekommt regelmäßig Anfragen über Instagram. „Mehr darf es gar nicht werden. Sonst komme ich nicht hinterher.“ Denn: Neben dem Nähen arbeitet sie halbtags an einer Schule in Limmer und betreut nachmittags ihre Zwillinge. Klingt nach einem guten Mix. „Absolut. Ich habe alles richtig gemacht und bin rundum glücklich“, sagt sie. „Oder mit meinen Worten: Mir scheint die Sonne aus dem Arsch.“

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