Jakob Wiedekind ist ein aufgeschlossener Typ: immer ein Lächeln auf den Lippen und kommt mit allen ins Gespräch. Aber wenn er auf einer Party gefragt wird, was er beruflich macht, hält er es lieber oberflächlich: Politikwissenschaftler an der Leibniz Universität Hannover. Genauer will´s dann oft keiner mehr wissen. Wir schon!


Politik – das ist kein Thema für Small Talk. Zu langweilig. Zu ernst. Zu kompliziert. Jeder denkt sofort an Parteien, lange Diskussionen und in die Jahre gekommene Entscheider. Schneller Themenwechsel. Nächste Frage: Wie hast du eigentlich deine Partnerin kennengelernt? „Lustige Geschichte“, sagt Jakob verschmitzt. „Jessica jobbte während des Studiums im selben Laden wie meine Mutter in der Ernst-August-Galerie und ich arbeitete direkt gegenüber. Von Schaufenster zu Schaufenster war sie mir sofort aufgefallen. Nur ich ihr leider noch nicht.“ Was nun? Ungewohnt schüchtern und etwas unsicher ließ er sich erst einmal Monat für Monat den Dienstplan durch seine Mutter zuschustern, um mit Jessica in Kontakt zu treten. Vier Monate später fasste er sich ein Herz und fragte nach einem ersten Date. 

Plan B: Ab in die Politikwissenschaft

Damals studierte der gebürtige Hesse bereits Politikwissenschaften und Jura an der Uni Hannover. Beeindruckende Fächerkombination! „Um ganz ehrlich zu sein war das eher ein Zufallsprodukt“, erklärt der 28-Jährige. „Ich wollte Arzt werden. Aber im Freiwilligen Sozialen Jahr bei den Maltesern merkte ich, dass man da zu viel Leid im Berufsalltag ertragen muss. Ich brauchte einen Plan B. Daher habe ich geschaut in welchem Fach ich gut in der Schule war: Das war Politik.“ Also schien das Studium der Politikwissenschaft die logische Wahl zu sein. Ein passendes Berufsziel dazu hatte er dann auch schnell im Kopf: Als Diplomat im Ausland arbeiten. So könnte er gleichzeitig seiner Leidenschaft zu reisen nachkommen.

Vom Tutor zum Experten

Also spezialisierte sich Jakob während des Studiums auf den Bereich internationale Beziehungen und arbeitete parallel als studentische Hilfskraft und als Tutor am Institut. Inspiriert durch die US-Wahlen und den damaligen Erfolg von Donald Trump schrieb er 2017 seine Masterarbeit über die außenpolitischen Machtkonzepte der US-Präsidenten  – und bekam daraufhin das Angebot in diesem Schwerpunkt an der Leibniz Uni Hannover zu promovieren. „Warum nicht?“, dachte sich Jakob. Sieben Semester als Dozent, zwei Forschungsreisen in die USA und zahlreiche Publikationen inklusive eines eigenen Blogs später plant er nun im kommenden Jahr seine Doktorarbeit einzureichen. Als Politikwissenschaftler wird er von regionalen TV-Sendern inzwischen immer wieder als Politik-Experte für Statements angefragt und kann sich vorstellen, eine akademische Laufbahn hinzulegen. Und was ist mit dem Plan als Regierungsbeauftragter unterwegs zu sein?

Herz über Kopf

„Diplomatisch gesagt: Das ist nach wie vor eine Option“, sagt er. Spätestens, seit er zum Abschluss seines Studiums ein Praktikum im Auswärtigen Amt in Wellington absolvierte. „Leider nur zwei Monate, aber das war definitiv auch eine Aufgabe, die mir Spaß machen würde.“ Übrigens: Jessica folgte damals, um gemeinsam mit ihm vier Wochen durch Neuseeland zu reisen. Weniger schüchtern und unsicher als zu Beginn der Beziehung packte Jakob die Gelegenheit beim Schopfe und machte ihr vor Ort auf der Südinsel Neuseelands einen Antrag – diesmal ganz ohne die heimliche Hilfe seiner Mutter. 

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