Hannover hat Lena Meyer-Landrut. Hannover hat die Scorpions. Hannover hat Elmar Braß. Letzteren kennt ihr nicht? Das sollten wir ändern. Denn: Der Jazz-Pianist ist eine Musikgröße in der Stadt.


Das Klavier war fester Bestandteil im Wohnzimmer der Eltern. Seine Mutter setzte sich regelmäßig hin und spielte einfach nach Gehör. Irgendwann zeigte sie Elmar die ersten einfachen Stücke wie den Flohwalzer. War das der Start seiner Karriere?

„Um ehrlich zu sein, weiß ich nicht mehr, wie genau ich angefangen habe zu spielen“, erklärt der gebürtige Celler. „Ich weiß nur, dass es mir unglaublich Spaß gemacht hat.“ Also bekam er klassischen Klavierunterricht.

Schnell stellte sich heraus, dass der damals Elfjährige kreative Ansätze hat, seinen eigenen Stil einbringen will und ebenso wie seine Mutter sehr gut nach Gehör spielen kann. So gar nicht typisch klassisch. Immer häufiger probierte er sich daher an Jazz-Stücken aus. „Das kannte ich von meinem Vater. Er hörte viel Jazz“, erinnert sich Elmar. „Diese Musikrichtung hat viel mit Improvisation und Individualität zu tun – das liegt mir.“

Stundenlang saß er hinter dem Klavier und ließ seine Finger über die Tasten gleiten – Groove, Swing, Blues, alles was guten Jazz ausmacht. „Willst du nicht mal eine Pause machen?“, hörte er seine Eltern sagen. Aber Elmar wollte einfach nur Klavier spielen. Er war kein Nerd oder so. Er traf sich auch gern mit seinen Freunden. Aber es gab eben Tage, da wollte er einfach nur Klavier spielen. Logisch, dass er schließlich auch Musik studierte. Gemeinsam mit vier anderen Jazzmusikern wohnte er in einer Lindener Altbauwohnung – wie man sich das typischerweise vorstellt. In Linden wohnt er heute immer noch, aber nicht mehr in einer Wohngemeinschaft.

Inzwischen gibt er seine Begeisterung als Dozent in Hannover und Bremen an der Musikhochschule weiter. Hier unterrichtet er Studenten und muntert sie dazu auf, ihren eigenen Stil zu entwickeln. „Aber auch für mich ist es erfrischend mit den jungen Leuten zusammenzuarbeiten“, weiß Elmar. „Ich lasse mich gern inspirieren und kann mich dadurch weiterentwickeln.“ Und zwar für seine Haupttätigkeit als Jazz-Pianist – vor Publikum …

Sein erstes größeres Konzert war damals eine Schulveranstaltung in der Aula. 1997 schrieb der Jazz-Club Hannover einen Wettbewerb aus. Elmar bewarb sich – und gewann einen Förderpreis. Der Anfang einer engen Verbundenheit, denn auch heute noch trifft man Elmar hier an – aber auch in vielen anderen Jazz-Clubs Deutschlands ist er regelmäßig unterwegs. Inzwischen hat der 41-Jährige sieben CDs rausgebracht, hat auf dem bekannten Jazz-Festival in Montreux gespielt und ist in der deutschen Jazz-Szene bekannt. „Es war nie der Plan, dass ich mit meiner Musik einmal Geld verdiene“, erklärt er. „Ich bin einfach meinem Herzen gefolgt – blind, ohne das jemals zu hinterfragen. Und es hat mich bis hierhin gebracht.“


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