Lena Klauss hat im Schnitt fünf Familien. In den einen verbringt sie sechs Stunden die Woche, in den nächsten zwölf und in anderen auch 18. Manche heißen sie herzlich willkommen und manche sind erst einmal skeptisch ihr gegenüber. Uns erzählt die 35-Jährige, wie sie die Aufgabe der sozialpädagogischen Familienhilfe bei den Leine Lotsen  erlebt.


„Meine Aufgabe besteht darin, Familien bei Erziehungsaufgaben und Alltagssituationen zu unterstützen“, erklärt die gebürtige Hannoveranerin. Wie bringt man den Sohn dazu regelmäßig zur Schule zu bewegen? Welche Erwartungen hat die Grundschule an die Eltern und wie setze ich diese um? Lena nimmt ihre Klienten an die Hand und gibt Impulse. „Es ist eine Art Hilfe zur Selbsthilfe. Am Anfang unterstütze ich sehr intensiv, versuche Wege und Möglichkeiten aufzuzeigen, bis sich die Abläufe einspielen und die Klienten irgendwann den Erziehungsaufgaben gerecht werden können.“

Klienten sind in ihrem Fall also Familien, die ihre Lebenssituation nicht alleine in den Griff bekommen und wo dadurch die Erziehung mindestens eines Kindes auf der Strecke bleibt: Der Sohn hat sich emotional abgekapselt und ist für die Eltern nicht mehr erreichbar, eine alleinerziehende Mutter ist überfordert mit der Betreuung ihrer Kinder und hat keine Struktur im Alltag oder eine Familie lebt nahezu isoliert in ihrem Familienkonstrukt ohne soziale Einbindung in der Freizeit. „Manche Familien suchen aus eigenem Antrieb unsere Hilfe, zu anderen werde ich dazu geholt, weil ein Nachbar oder die Schule eine mögliche Kindeswohlgefährdung gemeldet hat“, erklärt Lena. „Die einen nehmen also meine Unterstützung dankend an, bei den anderen muss ich erst einmal Vertrauensarbeit leisten.“

In Hannover gibt es mehrere große freie Träger, die mit dem Kommunalen Sozialdienst – oder umgangssprachlich dem Jugendamt – zusammenarbeiten. Die unterschiedlichen Niederlassungen sind dann den jeweiligen Stadteilen zugeordnet. Lena ist seit 2017 bei den Leine Lotsen am Roderbruchmarkt. Sie wollte immer mit Menschen arbeiten, absolvierte also ein Studium der Sozialen Arbeit, jobbte nebenher im Umfeld von Menschen mit Handicaps und ist heute als Sozialpädagogin für die Betreuung von Familien aus Groß-Buchholz, Kleefeld und Roderbruch zuständig.

Hin und wieder kommen die Familien zu ihr ins Büro, um gemeinsam Formulare auszufüllen. Aber meistens ist Lena bei ihnen zu Hause. Sie sitzt in ihrem Wohnzimmer oder in der Küche und bekommt viele intime Einblick in das Leben. „Es ist wichtig, dass man offen und empathisch ist. Man muss sich auf jede Familie neu einlassen können und nicht zu schnell zu viel wollen“, erklärt sie. „Eine Familie ist schließlich ein komplexes System, das man nicht von heute auf morgen durch Gewalt verändert.“

Ihre Betreuung läuft durchschnittlich zwei Jahre. „Ich gebe natürlich alles dafür, dass meine Klienten eigenständig werden. Wenn das mal nicht gelingt, darf man sich selbst aber nicht als gescheitert sehen“, erklärt Lena. „Man muss sich emotional abgrenzen und sich bewusst machen, dass es nicht meine eigene Familie ist.“ Apropos eigene Familie: Kinder hat Lena selbst nicht. Gemeinsam mit ihrem Partner lebt sie in einer Stadtwohnung in der Südstadt. Hier schaltet sie bei einem stressigen Arbeitstag ab – Yoga und Joggen helfen dabei.

Und dennoch gehen die Lebensgeschichten ihrer Familien nicht komplett spurlos an ihr vorbei. „Wenn ich einen Anruf einer ehemaligen Klientin bekomme, die mir von ihrem

bestanden Deutschtest erzählt, dann freue ich mich natürlich schon, dass meine Arbeit Früchte getragen hat. Das ist dann auch das erste, was ich freudestrahlend zu Hause erzähle. Diese Erfolgsgeschichten machen meinen Job einzigartig.“


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