Die einen haben ein Faible für Schuhe, die nächsten für Autos – Frauke Hahn für Dächer. Ja ihr habt richtig gehört: Dächer – Steildach, Flachdach, Gründach. Lest selbst, was es damit auf sich hat.

Irgendwie hatte es der Großvater schon immer gewusst: Wenn einer der Enkel in seine Fußstapfen tritt, dann Frauke. Auch sie selbst liebäugelte damit: „Ich habe damals in die Poesiealben meiner Freunde geschrieben, dass ich Tierärztin oder Dachdeckerin werden will“, erinnert sie sich.

Und sie wurde: Dachdeckerin – wie schon ihr Vater, Großvater und Urgroßvater. Letzterer gründete bereits 1925 den Familienbetrieb Hahn Bedachungen GmbH, in dem Frauke fast 80 Jahre später nach ihrem Abitur erst die Ausbildung machte und dann direkt die Meisterschule anschloss. Bei beidem war sie die einzige Frau in der Klasse. Kein Problem: „Es war eine schöne Zeit, ich wurde gut aufgenommen. Aber es war auch anstrengend“, erzählt sie. „Morgens früh raus, den ganzen Tag auf den Dachbalken balancieren und mit den kiloschweren Ziegeln hantieren. Ich bin zwar recht sportlich und Belastung gewohnt, aber nach einem Arbeitstag habe ich oft nur noch gegessen und bin vor Erschöpfung ins Bett gefallen.“

Vor den Kollegen hat sie sich nichts anmerken lassen: „Als Tochter des Geschäftsführers stand ich natürlich unter besonderer Beobachtung. Aber die Jungs haben schnell gemerkt, dass ich mit anpacken kann und keine Sonderbehandlung brauche.“ Sie kann gut mit dem forschen Ton, der auf dem Bau herrscht umgehen und schwindelfrei ist sie auch.

Inzwischen kümmert sich die 36-Jährige um die Akquise, Angebote, Kundenbetreuung und die komplette Baustellenabwicklung. Ihr Vater hat sie Schritt für Schritt eingearbeitet. In Kürze wird Frauke die Geschäftsführung übernehmen. „Gemeinsam mit meiner Schwester. Die ist vergangenes Jahr ebenfalls bei uns eingestiegen“, freut sie sich. „Dann wird unser Familienbetrieb erstmals frauengeführt sein. Eine Gesellin haben wir übrigens auch angestellt.“

Ihre Augen strahlen: Frauke brennt für ihren Job. Daher engagiert sie sich nebenbei ehrenamtlich für die Weiterentwicklung und das Image des Dachdeckerberufs. „Handwerkliche Berufe werden schnell negativ abgestempelt. Dabei hat unser Job so viel zu bieten“, weiß Frauke. „Schon alleine die traumhaften Sonnenaufgänge, die ich auf den Dächern anschauen durfte, sprechen für den Beruf“, spaßt sie.

Und ernsthaft? Was fasziniert sie wirklich so am Dachdecken? „Ich finde es toll, etwas selbst zu schaffen und es hinterher anschauen zu dürfen“, erklärt sie. „Wenn ich durch Hannover gehe, erzähle ich meinen Freunden immer, welche Dächer von uns sind. Das macht mich schon ein bisschen stolz.“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Folgt uns auf Instagram!

Instagram hat keinen Statuscode 200 zurückgegeben.