Acht Wochen nach der Geburt wieder in den Job einsteigen?! Was andere für verrückt halten, hat Marlene Zscherper nicht bereut. Die Zweifach-Mama und Wirtschaftsreferentin der Landesvertretung der Handwerkskammern Niedersachsen verrät uns im Interview, wie`s läuft.

Eigentlich war Marlenes Wiedereinstieg für sechs Monate nach Geburt der zweiten Tochter geplant. Bis ihre Chefin sie dazu ermutigt, es eher zu probieren. Dr. Hildegard Sander hat es selbst ähnlich gemacht – bereits vor gut 20 Jahren – und will ihrer engagierten Mitarbeiterin dieselbe Möglichkeit bieten. „Sie hat von Beginn an gesagt, ich kann es versuchen und wenn es nicht klappt, wird eine andere Lösung gefunden“, sagt Marlene. Doch es klappt. Nach nur acht Wochen wagt die 30-Jährige mit starker Unterstützung ihres Partners den Wiedereinstieg und nimmt ihr Baby sogar zeitweise mit ins Büro.

Dabei kommt ihr Corona sogar ein bisschen entgegen. „Wegen COVID-19 wurden Präsenzveranstaltung zu Videokonferenzen – eine Entwicklung, die für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf eine große Erleichterung darstellt.“ Wo sonst eine Teilnahme nicht möglich gewesen wäre, konnte Marlene sich nun jederzeit aus dem Home Office zuschalten – Fahrzeiten fielen weg. Ihr Mann konnte in der Zeit beide Töchter in Obhut nehmen, denn auf Grund von Corona war zwischenzeitlich auch die große Schwester zu Hause.

Schichtbetrieb: zuhause und auf der Arbeit

Inzwischen geht es für zwei Tage die Woche ins Büro, wenn die aktuellen Corona-Maßnahmen es erlauben. Mittlerweile ist aber auch der Papa in Teilzeit, beide arbeiten 25 Stunden die Woche. Er vormittags, sie nachmittags.So können sich beide sowohl auf die Kinder als auch die Jobs konzentrieren. Dass sie jeweils weder das eine noch das andere vernachlässigen wollen, war dem Power-Paar schon während des Studiums und Marlenes erster Schwangerschaft klar: „Flexibilität ist uns sehr wichtig. Wir haben uns daher bewusst Arbeitgeber ausgesucht, die nicht die Stirn krausziehen, wenn man erwähnt, dass man Kinder hat. Davon gibt es leider noch immer viel zu wenige, wie wir feststellen mussten!“ Dabei hat dieses Modell auch Vorteile für die Unternehmen. „Der Motivationsschub bei den Mitarbeiter*innen wird völlig unterschätzt. Marlene macht ihre Arbeit Spaß und ist da, wenn ich sie brauche!“, stellt ihre Chefin fest.

Zwischen wirtschaftspolitischen Entscheidungen, Laufschuhen und Gute-Nacht-Geschichten  

Die Landesvertretung der Handwerkskammern Niedersachsen bietet genau die Flexibilität, die sich Marlene und ihr Partner wünschen, und zeigt Verständnis: „Wir unterstützen uns hier im Team immer so gut es geht.“ Gerade aktuell ist das Gold wert, denn Marlene und ihre Kolleginnen und Kollegen haben viel zu tun. Sie prüfen beispielsweise, ob staatliche Maßnahmen und Förderrichtlinien zur Unterstützung der Betriebe in Niedersachsen geeignet sind oder am Bedarf vorbeigehen. Viel Verantwortung also für die Zweifach-Mama. Hat sie da überhaupt noch Zeit für sich? „Nähen ist meine Schokolade. Dabei kann ich am besten entspannen. Und mein Mann und ich gehen oft gemeinsam laufen – das geht auch gut mit den Kids.“ Auf die Frage, ob wirklich nichts auf der Strecke bleibt, antwortet die 30-Jährige: „Allem gleichermaßen gerecht zu werden, ist nicht immer leicht. Aber alles, was wir tun, machen wir mit Leidenschaft. Wir lieben unsere Kinder, wir lieben unsere Arbeit und unsere Hobbies. Nur für den Geschirrspüler reicht es oft nicht. Aber damit können wir leben.“

Also wunschlos glücklich? Noch nicht ganz. „Ich hoffe, dass die Politik für Familien noch bessere Voraussetzungen schafft – zum Beispiel durch einen leichteren Zugang zu KiTa-Plätzen. Für uns mag das alles händelbar sein, aber in vielen Handwerksberufen sieht es ganz anders aus. Videokonferenzen sind da z. B. nicht die Lösung“, sagt Marlene. Das Wichtigste seien aber die Familien – und im Speziellen die Frauen selbst: „Je mehr sich trauen, Kinder- und Karrierepläne gleichermaßen zu verfolgen und dabei auch ihre Partner mit ins Boot holen, desto eher macht es für Arbeitgeber keinen Unterschied, ob sie sich für einen männlichen oder weiblichen Bewerber entscheiden. Ein wichtiger Schritt, um die Lohnlücke zu schließen!“, ist sich Marlene sicher.

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