Moderatorin, Autorin, Poetry-Slammerin, Role-Model: Schon als Kind stand Ninia LaGrande gern auf der Bühne und begeisterte mit ihrer ansteckend positiven Art. Heute verdient sie mit dieser Leidenschaft ihren Lebensunterhalt und nutzt ihre Bekanntheit für Herzensthemen wie Inklusion, Feminismus und Kultur.

Ninia setzt sich für eine Gesellschaft ein, in der alle gleich behandelt werden. Mit ihren Erwartungen und Forderungen spricht sie dabei vielen aus der Seele. Denn als Kleinwüchsige mit einer Körpergröße von 1,40 Metern kennt sie es nur zu gut, von anderen beobachtet zu werden, Sprüche und Vorurteile zu kassieren. So wurde sie schon für die Tochter ihres Mannes gehalten oder von Fremden getätschelt. „Behinderung darf keine negative Bedeutung mehr haben“, sagt Ninia. Jeder ist anders – und manchen sieht man das Anderssein eben sofort an. „Das bedeutet aber nicht, dass man Menschen mit Behinderung keinen normalen Alltag zumuten kann.“ So wünscht sie sich beispielsweise moderne Konzepte für Inklusion, die im Idealfall schon bei kleinen Kindern beginnt. Betroffene sollten demnach auch nicht mehr automatisch auf Förderschulen geschickt werden, wo sie im Anschluss in irgendwelchen Werkstätten am Stadtrand verschwinden. Ninias Eltern haben ihre Tochter darin bestärkt, wie normal sie ist und beispielsweise auch auf eine reguläre Schule geschickt. Ihre Lehrer fragten damals lediglich, was Ninia braucht. Das waren ein niedrig angebrachter Kleiderhaken und ein Höckerchen für die Beine. „Behinderung findet in der Regel immer noch fernab des normalen Lebens statt – das ist völlig unnötig und muss sich ändern.“ Dafür müssen wir aufhören, unsere verstaubten Konzepte zu loben und unsere Gesellschaft für alle öffnen. Und genau dafür kämpft sie – vor allem auf der Bühne.

In den vergangenen Jahren hat sie sich bundesweit einen Namen als Moderatorin gemacht. Für sie ist wichtig, nicht nur die behinderte Moderatorin für Menschen mit Behinderung zu sein. „Mit meiner Kleinwüchsigkeit passe ich natürlich gut in das Konzept solcher Veranstaltungen“, erklärt sie. Als Erfahrungsexpertin übernimmt sie gerne Jobs rund um das Thema Inklusion. Ihr ist dennoch wichtig als das gesehen zu werden, was sie ist – nämlich eine super vielseitige Moderatorin. „Es ist entscheidend, dass es behinderte Menschen in den Medien und auf der Bühne gibt – unabhängig vom Publikum.“ Deshalb arbeitet sie auch für ganz unterschiedliche Formate: Sie ist Reporterin bei ZDF Wiso, produziert gemeinsam mit Schauspielerin und Sängerin Denise M’Baye den eigenen Podcast „Die kleine schwarze Chaospraxis“, sitzt im Beirat zur Bewerbung Hannovers als Kulturhauptstadt Europas 2025 und ist für viele Frauen als Influencerin ein Vorbild. Ihr Künstlername LaGrande ist definitiv Programm!

Geboren ist die 37-Jährige in Hannover, lebte aber bis zum Abitur in Braunschweig. Nach ihrem Studium der Kunstgeschichte und Germanistik in Marburg und Götting volontierte sie in Hannover – aus rein praktischen Gründen. Denn sie wohnte mit ihrem heutigen Ehemann in Göttingen und konnte so entspannt pendeln. Mittlerweile möchte sie aus Hannover gar nicht mehr weg: „Ich bin eigentlich nur nach Hause gekommen“, lächelt sie. An Hannover liebt sie die Vielfältigkeit und die offene Kultur- und Kreativszene. „Hannover ist gerade total modern, probiert viel aus“, sagt sie. „Unsere Stadt wird definitiv unterschätzt!“

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