Wer in der Schule nicht aufpasst, wird Straßenfeger. Was sein Lehrer damals als Drohung meinte, ist das Beste, was Uwe Küntopp passieren konnte. Inzwischen ist er seit mehr als zehn Jahren für die Abfallwirtschaft aha mit der Kehrmaschine auf Hannovers Straßen unterwegs – und nimmt uns einen Tag mit auf seine Lieblingstour …

Donnerstagmorgen 7:00 Uhr: Im Bothfelder Berufsverkehr auf der Sutelstraße/Ecke Burgwedeler Straße stellt Uwe die Warnlichter seiner weißen Kehrmaschine an und beginnt bei 6 km/h die Straßenränder frei zu fegen. Da kommt Freude auf. Hinter ihm geht das Gehupe los, Autos überholen bei der erstbesten Gelegenheit: „Da musst du ein dickes Fell haben“, sagt er. „In den Seitenstraßen ist das gleich vorbei.“

Und so ist es. Als wir links in die Siedlung Isernhagen abbiegen, kehrt Ruhe ein: ein extravagantes Einfamilienhaus neben dem nächsten, ordentliche Gehwege, wenig Autos am Straßenrand. „Hier wohnen Ärzte, Vorstände großer Firmen und Fußballspieler“, erklärt der 56-Jährige. „In diesem Bezirk liegt kaum Müll in den Gossen.“ Anders erlebt er das in Stadtteilen wie Roderbruch oder Hägewiesen. Da holt Uwe deutlich mehr Dreck von der Straße und muss den Vier-Kubikmeter-Tank der Kehrmaschine während einer Tour mehrfach zwischendurch leeren. Aber auch an Bushaltestellen oder in der Nähe von Schulen liegt viel Müll. „Die Kids denken nicht drüber nach“, sagt er. „In dem Alter war ich auch nicht besser.“

Damals keinen Bock auf Schule, schlechtes Zeugnis – so hatte der junge Uwe keine Chance auf eine Lehrstelle in seinem Traumberuf Tischler. Mit Jobs auf dem Bau hangelte er sich so durch, machte seinen Staplerschein, ehe er vor nunmehr als 20 Jahren bei aha als Müllfahrer landete. Firmenintern orientierte er sich mehrfach um, bis 20xx die Stelle bei der Straßenreinigung ausgeschrieben war. „Das Beste was mir passieren konnte: Den ganzen Tag auf der Straße, kein Schichtdienst und einen eigenen Wagen für mich. Ich bin zufrieden.“

Ja, er fühlt sich wohl hinterm Steuer, das sieht man: In der Windschutzscheibe hängen Wimpel seiner Lieblingsvereine Hannover 96 und Bayern München, CDs nach seinem Geschmack im Wagen, eine Dose mit Lakritz als Nervennahrung und immer ein Lächeln auf den Lippen.

Eine Mutter geht über den frisch gepflasterten Vorplatz ihres Hauses zum Auto, ihre Tochter an der Hand. Das Mädchen schaut hoch, grinst und winkt. Uwe grüßt freundlich zurück. „Ja, bei den kleinen Kindern sind wir von aha sehr beliebt. Die finden unsere Fahrzeuge cool“, weiß er. „Aber auch viele Anwohner wissen unsere Arbeit zu schätzen. Der ein oder andere fährt hier donnerstags extra sein Auto zur Seite, damit ich mit dem Besen richtig an den Straßenrand herankomme  – alles für die Bordsteinkosmetik.“

Ist diese Route deswegen deine Lieblingstour? „Auch“, lacht er. „Und, weil ich mir hier gute Inspirationen für meinen Schrebergarten holen kann.“ Gemeinsam mit seiner Frau Susanne hat er sich vor mehr als 20 Jahren ein kleines Fleckchen Grün in einer Kolonie in Buchholz gepachtet und sucht sich dort immer wieder neue Aufgaben. „Ich habe zwar nie Tischlern gelernt, aber Handwerken macht mir trotzdem Spaß. Alles was ich selbst machen kann, packe ich an.“ Das nächste Projekt: ein kleiner Spielplatz für sein Enkelkind.

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