Er schaut, dass es läuft in Hannover – Belit Onay. Seit 2019 ist er Oberbürgermeister der Stadt. Aber wie kommt man eigentlich zu so einem Job? Belit brachte ein Ereignis aus seiner Kindheit dazu, etwas in der Gesellschaft verändern zu wollen. Uns erzählt er, wie er zwischen Parkgebühren und Verwaltungsflut Hannover besser machen will …

In Goslar geboren und aufgewachsen, sah sich der junge Belit immer als einer unter vielen. Klar, zu Hause wurde Türkisch gesprochen, aber das schien auch der einzige Unterschied zu Freunden aus Kindergarten und Schule. Bis zum Mordanschlag von Solingen 1993. „Plötzlich spürte ich, dass manche meine türkische Abstammung nicht als gleichwertig empfinden“, erklärt er. „Es hat bei mir Klick gemacht – du bist scheinbar anders“. So war für Belit schon früh klar, dass er sich engagieren möchte für eine Gesellschaft, die nicht polarisiert. Dass er einmal der Oberbürgermeister von Hannover sein würde, war hingegen gar nicht klar.

2001 kam er für das Jurastudium nach Hannover. Schon in der Schulzeit engagierte er sich politisch, aber dass er bei den Grünen landete, war eher Zufall. Auch die Kandidatur für den OB-Posten hat sich mit der Zeit ergeben. „Es war eine historische Chance, die ich für mich genutzt habe“, sagt Belit. Während er in den Medien als Deutschlands erster OB mit Migrationshintergrund gefeiert wurde, habe er hier im Wahlkampf kaum gespürt, dass er das ist – der Kandidat mit Migrationshintergrund. „Ich als Belit habe doch mit einem Hannoveraner, der Vater ist, sich für Umweltthemen interessiert und eine Schwäche für gutes Essen hat viel mehr gemein als mit einem Mann, dessen Eltern – wie meine – einfach nur aus der Türkei stammen.“ Allein auf seine Herkunft reduziert zu werden, wird einem Menschen nicht gerecht. Daraus resultiert in logischer Konsequenz sein innigster Wunsch: „Meine Kinder sind Hannoveraner und meine Frau Derya und ich wünschen uns, dass sie als individuelle Menschen gesehen werden, deren Haltung wichtig und ausschlaggebend ist.“

Und was macht nun so ein Stadtoberhaupt? Als Repräsentant muss Belit quasi auf allen Hochzeiten tanzen. Daneben verbringt er viel Zeit in Ausschüssen, kümmert sich um die Belange der Bürger*innen und entscheidet, ob die städtische Parkgebühr erhöht werden soll. Hinzu kommen die Herzensthemen wie eine autofreie Innenstadt, Konzepte für ein buntes Hannover oder der Ausbau sicherer Orte für Kinder, Jugendliche und Frauen.

Viele Aufgaben erledigt er im Rathaus. In seinem Büro mangelt es Belit definitiv nicht an Platz. Um seinen ausladenden Balkon dort wird er sicher von vielen Hannoveraner*innen beneidet. „Es wird Zeit, dass wir hier endlich wieder den Aufstieg von Hannover 96 feiern können“, lacht er. Trotz großzügigem Büro ist er aber lieber draußen, läuft durch die Stadt und sucht nach Impulsen und Lösungen: „Mein Büro ist sozusagen der Maschinenraum. Hier läuft alles zusammen. Der Antrieb für meine Arbeit ist dennoch draußen. Da sind die Menschen, das Leben.“ Und das ist es letztlich auch, was er an seiner Heimat so liebt: „Hannover ist grün, wir haben kurze Wege und eine tolle Lebensqualität. Hier fühlt sich für mich ein freies Wochenende mit der Familie wie ein Kurzurlaub an“, schwärmt er. Kurzurlaub vom Stadtoberhaupt sein.

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