Der Maschsee ist zugefroren. Im Hintergrund thront das Rathaus unterm winterlichen Sternenhimmel. Auf der Eisfläche des Sees herrscht reges Treiben. Bekannte Persönlichkeiten der Stadt – aktuell im Gespräch oder historisch bedeutsam – haben sich dort versammelt, laufen Schlittschuh, trinken Glühwein. Unter ihnen Fußballer Gerald Asamoah, Schauspielerin Denise M´Baye und Kurt Schwitters mit seiner Anna Blume. Auch Hannovers wohl berüchtigster Mörder Fritz Haarmann hat sich mit seinem Beil unter die Leute gemischt. Eine abstruse Szenerie? Nicht für Thorsten Wilkens. Jedes Jahr gestaltet der Illustrator für den beliebten Hannoveraner Adventskalender ein neues Motiv von Schauplätzen und Bewohnern der Stadt. Wir haben genauer hingesehen …    

„Die Leidenschaft fürs Zeichnen war schon in der Grundschule vorhanden. Dadurch bin ich letztendlich auch zu einem großen Comicfan geworden – und bis heute geblieben“, erzählt Thorsten. Schon als Jugendlicher brachte er sein eigenes Comic-Fanzine heraus, wobei der Spaß an der Sache der Geschäftstüchtigkeit deutlich überlegen war. „Mein gesamtes Erbe der Großtante ist dabei draufgegangen, aber es war eine schöne Erfahrung.“

Von dieser profitierte er auch während seines Studiums der Kommunikationswissenschaften mit dem Schwerpunkt Illustration: Die Miete verdiente er sich in dieser Zeit mit Zeichnungen für Heftromane und Plattencover, gestaltete aber auch Programmhefte oder entwarf Konzertplakate. Inzwischen arbeitet Thorsten ausschließlich freiberuflich – zu Hause in seinen eigenen vier Wänden in Linden. Ganz klassisch mit Bleistift und Markern auf zahlreichen Skizzen und Scribbles. Aber auch am Computer. Von Karikaturen über Storyboards bis hin zum Layout für Werbekampagnen. Seine Arbeit sieht er als Geschenk – nicht zuletzt, weil er sich seine Aufträge selbst aussuchen kann. Der Hannoveraner Adventskalender ist ihm dabei nach wie vor eine Herzensangelegenheit.

„Das sind schon jedes Jahr rund sechs Wochen Arbeitszeit, aber es macht immer wieder Spaß. Der Herausgeber Klaus Lange hatte dafür vor einigen Jahren ganz klassisch eine Kleinanzeige geschaltet. Darauf habe ich mich gemeldet und wir haben schnell gemerkt, dass die Chemie zwischen uns stimmt. Die Ideen für das Motiv entwickeln wir seitdem immer gemeinsam. Ich wollte zum Beispiel immer schon mal den Maschsee als Schauplatz aufnehmen. Und Klaus hat meist bestimmte Wünsche, welche Personen im Bild vertreten sein sollen“, erzählt Thorsten.

Einzige Konstante: Kannibale Haarmann muss immer mit dabei sein. Diese Tradition entstand, seit die Presse auf die Gegenwart des Serienmörders aufmerksam wurde und den Hannoverschen Adventskalender damit weltweit in die Schlagzeilen brachte – bis nach Japan und in die USA. Sowohl Verleger Klaus Lange als auch Thorsten waren damals völlig perplex angesichts des Aufruhrs. Nichtsdestotrotz sorgt die Suche nach dem „Haarmännchen“ seitdem alljährlich für Gesprächsstoff und Verkaufszahlen, die von einem Jahr auf das nächste in die Höhe schnellen. Bleibt abzuwarten, wohin der Trend aus Hannover als nächstes schwappt. Sicher ist: Bunte Weihnachten sind mit ihm garantiert. 

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