Oliver Gies ist Musiker durch und durch: Er coacht und leitet Chöre, gibt Gesangs-Workshops, synchronisiert Trickfiguren, spricht Funk-Spots, schreibt Theatermusiken und Noten für Verlage, produziert und komponiert Musik für alle Besetzungen. Seine Hauptbestimmung aber bleibt das A-cappella-Quartett Maybebop, das er 1993 gründete – und das sich von Hannover aus zu einer wahren Größe in der deutschsprachigen Musiklandschaft entwickelt hat.  

Der Gründervater ist zugleich der Bariton und künstlerischer Leiter der Band. Oliver Gies textet und komponiert die meisten Stücke von Maybebop – deutschsprachige Jazz/Rock/Pop-Songs – selbst. 

Aber von vorn: Mit 15 wird ihm klar, dass es die Musik ist, die sein Leben bestimmen wird. Als er später im Studium merkt, dass der Lehrerberuf (selbst als Musikpädagoge) nicht sein Metier ist, fokussiert er sich auf das, was er am liebsten macht und am besten kann: Komponieren, singen, coachen, Noten schreiben – und Maybebop aus der Taufe heben und zu dem machen, was die A-capella-Truppe heute ist: eine echte Erfolgsgeschichte. Der Schlüssel dafür: „Unsere Besetzung! Sie ist nicht nur ein musikalischer, sondern auch ein menschlicher Glücksfall. Und das überträgt sich auf das Publikum“, sagt er mit einer Überzeugung, die keinen Zweifel zulässt. Wohl auch, weil die heutige Besetzung seit fast 20 Jahren im Grunde die gleiche ist.

Der Erfolg kam nicht über Nacht

Rund 110 Konzerte spielt Maybebop im Jahr – in gut gefüllten Sälen und Hallen, im Schnitt mit 300 bis 1.500 Leuten. „Das hat sich alles langsam aufgebaut, quasi Stadt für Stadt. Da gab es kein Allgemeinrezept“, erzählt der 46-jährige Familienvater. „Bei vielen Städten hat es auf Anhieb funktioniert, andere mussten wir uns über Jahre erobern, ein paar funktionierten gar nicht – aber das ist eher selten.“ Da kommt es schon, dieses halb stolze, halb ironische Lächeln, das erahnen lässt, wie dieser Vollblutmusiker tickt: Auf der Bühne ist Oliver bekannt für seinen hintergründigen Humor und die unverwechselbare Improvisationsgabe. Früher oder später kommt dies auch im Gespräch mit ihm zum Vorschein –  fein, unterschwellig, nuanciert, überraschend manchmal, nicht auf den ersten Blick einzuordnen. Kaum ein Zufall, dass die Band ein ähnliches Konzept fährt, was Stil und Überraschungsmomente angeht. Maybebop – so scheint es – bringt Olivers musikalisch-sprachliches Talent und seinen intelligenten Humor auf den Punkt.  

Passt in keine Schublade

Denn auch stilistisch ist die Band schwer einzuordnen. Der Rahmen bleibt zwar immer gleich – in Gestalt der vierköpfigen A-capella-Besetzung – doch ist Maybebop kaum in eine Schublade zu stecken. „Vielleicht ein Grund, weshalb wir nicht im Fernsehen funktionieren“, wie Oliver sagt. Ihre Auftritte, wie beispielsweise bei der Show „Puppenstars“, blieben ohne Auswirkungen: „Wir sind halt nicht sofort zugänglich, auch weil wir immer eine möglichst große Bandbreite zeigen wollen, immer eine große Brechung innerhalb der Stücke haben. Wir mögen es nicht eintönig“, erklärt er. Sie brauchen das volle Programm – von brachial komisch über nachdenklich, von feinsinnigem Humor bis zur tieftriefenden Melancholie. „Wir mögen Widersprüche! Uns fehlt ganz bewusst das Typische. Wir wollen unser Publikum immer wieder überraschen, neue Seiten zeigen. Wir haben auch mal Grunge gesungen.“ So seien auch ihre Alben nicht rund oder gar glatt. Dennoch wurde ihr Album „Weihnacht“ vor einigen Jahren in den USA als beste A-cappella-Weihnachts-CD der Welt ausgezeichnet. 

Die Alben folgen vielmehr einem Programm, das sich erst auf der Bühne voll entfaltet. Und deswegen gebe es auch kein wirklich typisches Maybebop-Stück. „Höchstens ‚Adventskalender im September‘“, sagt Oliver, um gleich nachzuschießen: „Obwohl, eigentlich doch nicht, schreib es nicht.“ Zu spät … wir schreiben es doch, schon weil seine Aussage so typisch untypisch ist. Aus der deutschen Musikszene zumindest ist Oliver Gies kaum noch wegzudenken. 

Fotos Maybebop: Sven Sindt

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