Deutsche Bahn? Damit verbinden viele zuerst Verspätung und Zugausfall. So war das bei Julia Chorus auch. Bis sie selbst anfing in dem Konzern zu arbeiten. Jetzt kümmert sie sich mit ihrer charmanten Art persönlich um die Kommunikation rund um Großbaustellen und hat daher mehr Verständnis, wenn der ICE zu ihrem Freund nicht ganz pünktlich ist …

Es ist Freitag Nachmittag. Julia steht an Gleis 12 am Hauptbahnhof in Hannover – wie so häufig. Seit drei Jahren hat sie eine Fernbeziehung. Ihr Freund studiert in Bonn. Sie sehen sich etwa jedes zweite Wochenende. Wenn alles glatt läuft, ist sie mit dem ICE in drei Stunden und 41 Minuten dort. Ein Mal im Monat fährt sie jetzt sogar kostenlos – als frischgebackene Bahn-Mitarbeiterin.

„Bahn-Mitarbeiterin? Da denken alle immer ich bin Zugführerin oder Fahrkartenkontrolleurin“, schmunzelt sie. „Die wenigsten Leute kennen das breite Aufgabenspektrum, das der Konzern zu bieten hat.“ Als Studentin der „Public Relations“ machte Julia ein Praktikum in der Öffentlichkeitsarbeit für Bauprojekte, blieb anschließend als Werkstudentin dort, und ist seit August sogar festangestellt und verstärkt die Öffentlichkeitsarbeit für das größte Bahnprojekt in Niedersachsen.

Keine leichte Aufgabe: „Hier prallen so viele Interessen aufeinander, dass es manchmal schwierig ist zu vermitteln“, erklärt sie. „Einerseits kann es den Leuten gar nicht schnell genug mit dem Zug gehen, andererseits ärgert es sie, wenn Baustellen den Verkehr verzögern oder die Bauarbeiten ihre Nachtruhe stören.“ Hier leisten sie und ihre Kollegen viel Aufklärungsarbeit: „Transparenz sorgt oft für Verständnis.“

Aktuell ist die gebürtige Hannoveranerin für das Bahnprojekt Hamburg/Bremen–Hannover zuständig. Dieses befindet sich derzeit in der frühen Planungsphase und trotzdem geht es für Julia schon ans Eingemachte: Mit viel Charme und Feingefühl erklärt sie Anwohnern die Ziele, Hintergründe und Vorteile des Projekts – mal per Postwurfsendung auf einem Flyer, mal auf der Website, mal persönlich im Info-Mobil und vor Ort in vielen Gemeinden. Nicht selten steht die 22-jährige da vor gestandenen Männern. „Anfangs sind die Leute manchmal skeptisch, da ich so jung bin. Aber ich höre ihnen zu, nehme die Anliegen ernst und das ist am Ende das, was für sie zählt“, erklärt sie. „Die Betroffenen wollen sich einfach informiert und verstanden fühlen und auch erfahren, wie sie persönlich von einer starken Schiene profitieren.“

Das weiß Julia als Bahnfahrerin aus eigener Erfahrung. „Ich fahr viel Bahn – alleine schon, weil es klimafreundlich ist. Da habe ich selbst schon erlebt, dass nicht immer alles reibungslos läuft“, erklärt sie. „Aber seitdem ich die zahlreichen Faktoren kenne, die für einen funktionierenden Schienenverkehr eine Rolle spielen, habe ich auf jeden Fall viel mehr Verständnis, als vorher – und das kann ich nun in meinem Job weitergeben.“

17:28 Uhr. Der ICE nach Köln fährt ein – auf die Minute genau. Einem schönen Wochenende bei ihrem Freund steht nun nichts mehr im Weg.

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