Eine Ausbildung zum Bäcker brauchte Fuat Yakup nicht. Denn Der Handbäcker in Hannovers Südstadt ist seit 14 Jahren ein wahrer Selfmade-Man. Die Kunden lieben ihn und seine Backwaren – das verraten nicht zuletzt die meterlangen Schlangen vor dem Geschäft. „Es gibt Meister, die ihr Fach gelernt haben – und es gibt halt die geborenen Meister“, sagt er augenzwinkernd.

„Eigentlich war ich Reiseleiter und Geschäftsführer bei einer privaten Fluggesellschaft. Als die Flugrouten geändert wurden, sollte ich ins Ausland gehen“, erzählt Fuat. „Meine Frau und ich wollten aber hier in Hannover bleiben.“ Durch Zufall erfuhr er von einem Bekannten, dass in der Südstadt eine Bäckerfiliale zum Verkauf steht. Fuat und seine Frau entschlossen sich spontan, die Bäckerei zu übernehmen. Zunächst ließen sie sich dort mit Backwaren beliefern, doch oft waren sie von der Qualität nicht überzeugt. Also begann Fuat zu recherchieren, wie man es besser und selber machen kann. „Das war vor allem Learning by Doing“, erzählt er, doch so entstanden im Laufe der Zeit viele neue Kreationen, die es so in anderen Bäckereien nicht zu kaufen gab.

Und noch heute entstehen viele Rezepte durchs Ausprobieren. „Meine Frau will oft die Dinge direkt nachbacken, die sie probiert und die ihr geschmeckt haben, natürlich nach eigenem Rezept. Der Unterschied: Wir verwenden ausschließlich natürliche Lebensmittel ohne Geschmacksverstärker und erfüllen auch individuelle Kundenwünsche – zum Beispiel mit weizenfreien Brötchen.“ Dazu hat Fuat inzwischen zwei Bäcker- und Konditormeister eingestellt und sich langsam aber sicher zum Kultbäcker entwickelt.

Und das Konzept geht auf. Seine Stammkunden aus den umliegenden Straßen sind wie eine große Familie. Mit jedem wird ein kleiner Plausch gehalten. Klopfen Partygänger nachts um 3 Uhr an seine Backstube, werden auch sie schon mit frischen Brötchen versorgt. Nicht selten schütten Kunden sogar ihr Herz aus – wie beim Friseur. „Verkaufen ist zweitrangig – mir geht es um den persönlichen Kontakt“, erklärt er.

Deshalb steht er auch immer noch selbst in der Bäckerstube. „Das lasse ich mir auch nicht nehmen. Dank meiner Kollegen kann ich mich aber nebenbei auch um Einkäufe oder die Belieferung der Schulen kümmern“, erzählt er. Der Familienbetrieb läuft auf Hochtouren. Was, wenn Fuat mal in Rente geht? Der Bäcker aus Leidenschaft hofft auf den eigenen Nachwuchs: Seine Tochter denkt aktuell über eine Ausbildung zur Konditorin nach – für Fuat eine potenzielle Nachfolgerin. „Es wäre doch schade, wenn so ein kleines, familiäres Lädchen schließen müsste.“

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