Bankkaufmann? Zu trocken. Elektriker? Doch nicht das Richtige. Kamera-Assistent? Zu unkreativ. Bis Mehmet Asci den passenden Job fand, hat es etwas gedauert. Heute arbeitet er als gelernter Erzieher für die Stadt Hannover. Zu Spießig? Ganz und gar nicht, denn mit Hip Hop begeistert er die Jugend Hannovers und sorgt für Orientierung – und das immer mit dem richtigen Beat.

Als seine großen Brüder ihn als Jugendlichen mal zum Hip Hop Tanzen mitnehmen, ist es um Mehmet geschehen. Er liebt die Musik, die Bewegungen, das Gemeinschaftsgefühl unter den Hip Hop-Fans. Damals ahnt er noch nicht, dass er seine Leidenschaft mal mit seinem Beruf verbinden und dazu beitragen wird, dass die Stadt Hannover den Musik- und Tanzstil so fördert, wie kaum eine andere Stadt. Denn: „Nach der Schule habe ich es erst mit diversen Ausbildungen versucht, aber ich konnte mich weder für das Aufgabefeld eines Kfz-Mechanikers noch für das eines Bankkaufmanns oder Elektrikers begeistern“, erzählt Mehmet. Es folgen Zeitarbeit und der Versuch Hip Hop-Veranstaltungen zu organisieren. Mehmet verkalkuliert sich, verliert viel Geld. Doch aus eigener Kraft schafft er es, nach den Bauchlandungen wieder aufzustehen und gibt Hip Hop-Workshops in Jugendzentren und Tanzschulen. „Es war toll zu sehen, wie die Jugendlichen aufgeblüht sind“, sagt Mehmet. „Sie hatten Spaß, haben sich durchs Tanzen untereinander besser verstanden und waren lernwillig.“ Das fasziniert Mehmet so sehr, dass er eine Ausbildung zum Erzieher beginnt – trotz anfänglicher Skepsis, wie sinnvoll es ist, mit über 30 eine weitere Ausbildung zu beginnen. Und zum ersten Mal, hat er das Gefühl, sich beruflich auf dem richtigen Weg zu befinden.

Heute arbeitet er für die Landeshauptstadt im Bereich der Kinder- und Jugendarbeit – und seine Stelle wurde extra für ihn geschaffen, damit er Projekte im Hip Hop-Bereich koordiniert. Seit er sich kümmert – und die Stadt ihn darin unterstützt – schafft er Orte der Begegnung, einen Ausgleich zum oft harten Alltag und nicht selten eine Möglichkeit, Sprachprobleme zu überbrücken. „Nicht alle kommen aus heilen Verhältnissen, nicht alle sprechen deutsch, aber alle verbindet eine gemeinsame Leidenschaft – und die hilft, positiv zu denken und motiviert!“ In seinen freien Trainings, in denen jeder von jedem lernt, kommt Mehmet mit den Jugendlichen ins Gespräch, ermutigt sie. Sie dürfen ihn auch am Wochenende anrufen. „Ich freue mich, wenn ich helfen kann.“ Und das tut er – gerade, weil er selbst weiß, wie hart es sein kann, seinen Platz in der Welt zu finden. Mit der Zeit hat er viele begeistert, mit einigen tanzt er mittlerweile seit vielen Jahren – auch seine jüngeren Geschwister sind durch ihn auf den Geschmack gekommen und noch heute aktiv.

„In Hannover wird Hip Hop großartig unterstützt“, erklärt der zweifache Familienvater. „Meine Aufgabe ist es, vom Döhrener Jugendzentrum aus dafür zu sorgen, dass das so bleibt.“ Dazu gehört aber nicht nur, als Bindeglied zwischen Behörde und Hip Hop zu fungieren. Auch mit Eltern muss er ab und an ein ernstes Wörtchen reden. „Viele verplanen ihre Kinder wochenlang im Voraus, lassen ihnen kaum Freiräume für ihre Hobbies. Dabei ist es so wichtig, seiner Leidenschaft zu folgen.“ Mehmet ist dafür das beste Beispiel – und vielleicht gerade deshalb so erfolgreich.

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