Anderthalb Jahre war Esmail Asadi mit seiner Mutter und den Geschwistern von Afghanistan unterwegs. Das Ziel: Deutschland. Wo genau – egal. Als der Bus hält, stürmt der damals 10-jährige nach vorne. Er will als Erster seiner Familie einen Fuß auf deutschen Boden setzen. Wo ihn die lange Reise hin verschlagen hatte? Nach Hannover – ohne Geld, ohne Bleibe, ohne nur ein Wort Deutsch. Heute, mehr als 20 Jahre später, promoviert Esmail im Bereich Maschinenbau – und zwar auf Deutsch. Nebenbei baut er sich mit Kornpops gerade sein eigenes Business auf.

„Ich bekomme heute noch Gänsehaut, wenn ich daran denke, als wir hier angekommen sind“, so Esmail. „In dem Moment waren alle Strapazen vergessen.“ Endlich angekommen – oder auch nicht. Denn: So ganz war die Reise noch nicht zu Ende: Mit dem Zug ging es weiter nach Hamburg zur Untersuchung, Registrierung und Einteilung nach Porta Westfalica in eine Flüchtlingsunterkunft. Hier wird Esmail eingeschult. Vierte Klasse. Es ist Ende des Schuljahres. Keine Chance für ihn versetzt zu werden. Sein Deutsch ist noch zu schlecht – da konnte er in Mathe noch so gut sein. Er wiederholt, bekommt eine Empfehlung fürs Gymnasium, macht Abitur. „Deutsch war zwar immer mein schlechtestes Fach, aber dafür konnte ich in den anderen Fächern glänzen“, erinnert er sich.

Das Studium führte ihn zurück nach Hannover – die Stadt, die er heute seine Heimat nennt. „Das Schicksal hat mich an diesen besonderen Ort zurückgeführt“, überlegt Esmail. „Meine Frau und ich fühlen uns wohl und haben uns bewusst entschieden hier unsere Zukunft zu verbringen.“ Er arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Mikroproduktionstechnik der Leibniz Universität Hannover und begleitet Studentinnen und Studenten bei ihren Abschlussarbeiten. Nebenbei baut er sich ein kleines Business mit dem Vertrieb von Popcorn mit Geschmack auf. Was hat das mit Maschinenbau zu tun? „Gar nichts“, lacht der Jungunternehmer. „Ich mag es einfach, mich mit neuen Dingen zu befassen und dazu zu lernen. Letztes Jahr hatte sich für mich und meine beiden Geschäftspartner durch Zufall die Möglichkeit ergeben sich in diesem Bereich selbstständig zu machen und diese Chance habe ich genutzt.“

Damit nicht genug: Er schreibt gerade an seiner Dissertation. Ist die Sprache dabei immer noch die größte Herausforderung? „Nein, in meinem Studium habe ich gelernt, mit der deutschen Sprache umzugehen“, sagt Esmail. „Inzwischen schreibe ich sogar selbst diese typischen komplizierten Schachtelsätze, wie man sie aus wissenschaftlichen Texten so kennt – früher habe ich die noch verflucht.“

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