In Hannover ist man so gerne Durchschnitt, brav und kleinbürgerlich? Weit gefehlt. Jens Klostermanns Musikclub Subkultur in der Nordstadt ist Treffpunkt für Anhänger totgeglaubter Musikrichtungen. Wir waren Backstage und haben erfahren, warum selbstgemachter Eiersalat ein Indiz für gute Stimmung ist.

Graffiti an den Hauswänden, Antifa-Aufkleber auf jeder Laterne, eine Dönerbude direkt neben der Straßenbahnhaltestelle: Mitten in der typischen Nordstadt-Romantik steht ein Gebäude in Knallorange, auf der Tür prangt „Love Music, Hate Racism“. Es ist der Eingang zur Subkultur – einem Club für Livemusik, die man für gewöhnlich nicht im Radio hört. Von Psychobilly, Synthpop und Rock’n’Roll über Punk bis Metal – hier kann man zu allem rocken, pogen oder einfach sein Bier trinken. Nur: An einem Abend wird der Stil nicht gewechselt. Das ist für Jens, den Betreiber, Gesetz: „Bei uns gefällt es einem, oder man geht eben wieder.“ Denn auf ihre Kosten kommen, sollen vor allem die, die ihrer Musikrichtung treu bleiben – auch, wenn die entsprechende Szene immer kleiner wird.

Jens führt den Club seit 2016: Was zuvor mal „Die Große Welt“ war, wurde „die Sub“ – ein Treffpunkt für alle Subkulturen der Stadt. Ob bei so extrem unterschiedlichen Geschmäckern Ärger nicht vorprogrammiert ist? Absolut nicht. „Wir hatten noch nicht eine Schlägerei hier im Club“, erzählt Jens. Nur ein einziges Mal musste sein Türsteher jemanden vor die Tür setzen. Selbst der ist übrigens mehr als beliebt und bekommt von Gästen und Anwohnern nicht selten selbstgemachte Kekse oder Eiersalat geschenkt. So unterschiedlich die einzelnen Subkulturen Hannovers auch sein mögen, alle zusammen sind sie eine große Familie. Und Jens’ Sub ist ihr lautes Wohnzimmer.

Der 46-jährige kämpft nicht selten gegen Klischees. „Viele denken, ich schließe den Laden einfach morgens auf und nachts wieder zu.“ Doch zwischendurch laufen Bandanfragen, Recherchen und jede Menge Papierkram. So richtig Spaß macht ihm dieser bis heute nicht. „Ein gutes Team und die richtige Frau an deiner Seite sind da Gold wert!“, sagt der Chef. Das hört er übrigens gar nicht gern. „Ich stehe einfach nicht gern im Mittelpunkt – oft beobachte ich Konzerte vom Tresen aus oder verziehe mich in mein Büro.“ Das liegt direkt neben einem der Backstage-Bereiche und es stapeln sich darin Verstärker und Lautsprecher. Jens hat jeden Zentimeter genutzt, und überall ist es dunkel, wie sich das für einen Club gehört. Auf die Frage, ob er sich vorstellen könnte, irgendwohin zu gehen, wo die Subkulturen noch größer sind – nach London oder Berlin zum Beispiel – antwortet er nur: „Nö, wieso? Ich mag mein piefiges Hannover!“

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