Berufsrisiko: russischer Geheimdienst. Was? Ja, ihr habt richtig gehört. Timo Jaworr ist Fotograf. Von Unternehmensporträts über Editorials bis hin zu Veranstaltungsdokumentationen deckt er ein breites Portfolio ab – wie viele andere seiner Berufsgattung auch. Ungewöhnlich wird es, wenn er als Fotojournalist am Ende der Welt unterwegs ist …

Bei einer kleinen Wochenzeitung in Mörfelden-Walldorf fing alles an: Der Redakteur drückt dem schreibenden Journalisten eine Kamera in die Hand, um gleich ein paar Bilder mitzumachen. „Anfangs war mir damit nicht so wohl“, erinnert sich Timo. „Aber ich hab mich schnell reingefuchst.“ Die Begeisterung am Fotografieren wächst, das Schreiben rückt in den Hintergrund. Eine qualifizierte Ausbildung musste her: Fotojournalismus in Hannover – eines der wenigen Städte, die den Studiengang überhaupt anbietet.

2012 kam er also her. In Linden fand er mit seiner Freundin eine großzügige Altbauwohnung mit Blick auf das Ihmezentrum. Hier wohnen sie heute noch – inzwischen verheiratet und zu dritt, mit Tochter Ida. Schnell fasst der gebürtige Hesse Fuß, knüpft Kontakte und nimmt neben dem Studium Fotoaufträge an. Er ist in Hannovers Fotoszene gut vernetzt, macht eigene Ausstellungen und gehört seit drei Jahren auch zum Organisationsteam des bekannten LUMIX-Fotofestivals in der Stadt. Vielfältig! Aber nicht das, wofür sein Herz schlägt. Er muss hin und wieder raus, was erleben. Tschernobyl, Neapel, Myanmar: Orte, von denen es etwas zu berichten gibt.

Aktuell ist der leidenschaftliche Fotojournalist immer wieder im Zuge seines Langzeitprojekts „YCH MIF – Insel der Ahnen“ unterwegs. Inzwischen reiste er schon drei Mal nach Nekrasovka auf der Insel Sachalin vor Russland, um das indigene Volk der Niwchen zu dokumentieren – auf eigene Kosten. Die Anreise dauert drei Tage, und das letzte Mal wurde er sogar vom Geheimdienst vernommen, weil er mit dem falschen Visum eingereist war.  Aber die Strapazen sind es ihm wert: „Ich arbeite mit Menschen, kann in andere Welten eintauchen und rücke durch meine Bilder kritische Themen in den Fokus.“ Zuletzt wurde die Neue Zürcher Zeitung aus der Schweiz aufmerksam und hat einen vierseitigen Bericht über das kleine russische Volk gebracht. Endlich. „Fotojournalismus ist hartes Brot. Du musst deine Arbeit permanent anbieten und verkaufen – sehr aufwendig und nervenzehrend.“

Weniger stressig gestaltet sich da sein Fotoprojekt privater Natur. In Tochter Ida hat Timo sein Lieblingsmotiv gefunden. Bildband eins „Ida´s erstes Lebensjahr“ haben die Großeltern ihm förmlich aus den Händen gerissen. „Bildband zwei habe ich auch schon vorbereitet. Meine Frau muss es nur in Auftrag geben“, sagt Timo mit einem Augenzwinkern.

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